Abwasserverband schlägt Alarm!

Abwasserverband schlägt Alarm!

In der ZOWA-Leitwarte an der Schwedter Meyenburger Allee gelegen haben Bereichschef Frank Dölle (r) und sein Stellvertreter Ralf Hinze sowie ein 14-köpfiges Team alles im Blick! Foto: Andreas Schwarze (asc)

Unsachgemäße Toilettenbenutzung lässt immer häufiger Pumpstationen ausfallen

Nichts geht mehr: Diese Pumpe ist dicht! Reste von Feuchttüchern, Einmalwaschlappen, Damenbinden und Tampons sind noch die harmlosesten Dinge die im WC landen. Foto: asc

Schwedt/Tantow. Der für den Einzugsbereich Schwedt und Umland zuständige Zweckverband Ostuckermärkische Wasserversorgung und Abwasserbehandlung zuständige verband (kurz ZOWA) sieht sich immer häufiger damit konfrontiert, dass Dinge ins Abwassernetz gelangen, die dort nicht hinein gehören. Und dem Ideenreichtum manches Bürgers scheint keine Grenze gesetzt zu sein; Aludosen, Einwegrasierer, Schlüpfer, Handbürsten oder Inkontinenzwindeln, doch auch zunehmend Einmalwaschlappen und Microfasertücher lassen selbst modernste Hochleistungspumpen kapitulieren.

In der knapp 800 Seelen zählenden Gemeinde Tantow (Amt Gartz/Oder) beispielsweise mussten die ZOWA-Pumpenwärter binnen eines halben Jahres sechs mal ausrücken, um verstopfte Pumpen wieder flott zu machen. Zuletzt am Neujahrstag hatte sich ein Rückstau im Kanal-system gebildet und sozusagen "5 vor 12" konnte noch verhindert werden, dass bei ungesicherten Anschlüssen unterhalb der Rückstau-ebene kein "Kollateralschaden" entstanden ist und es nicht die Sch... aus den Muffen oder Rohrleitungen in manchen Keller oder Waschraum gedrückt hat.

Frank Dölle ist bei der ZOWA Meister der Abwasserwirtschaft und bereits 37 Jahre in seinem Beruf tätig. Angesichts der Situation in Tantow aber auch zahlreichen anderen Kommunen kann er nur noch mit dem Kopf schütteln. Und stellt sich zunehmend die Frage: "Haben einigen Leute keine Mülleimer zu Hause?" Dabei geht es ihm nicht darum nur zu schimpfen, vielmehr will er jetzt durch Aufklärung versuchen dem Dauerproblem, welches sich nach seiner Aussage in den letzten fünf bis acht Jahren kurioser Weise stark verschärft habe, durch Aufklärung entgegenzutreten. In allen Hausaufgängen der Tantower WBG hängen nach Absprache mit dem Viermieter nun Informationen an alle Bewohner im Einzugsbereich des Abwasserpumpwerkes Bahnhofstraße. Darauf zu sehen ein sehr "geschmackvolles" Farbfoto der verstopften Pumpe vom Neujahrstag. So heißt es eindringlich im Aushang: "Wir bitten Sie, in Ihrem eigenen Interesse, Ihre Toi-letten nicht als Abfalleimer zu missbrauchen!". Ein ähnlicher Aushang musste erst kürzlich auch im Schwedter Ortsteil Berkholz-Meyenburg verwendet werden. Mit Erfolg! Die Situation um den Unrat im Klo habe sich plötzlich spürbar verbessert!

Wozu ist eine Toilette eigentlich da?

"Feucht- und Pflegetücher haben industriell bedingt in den letzten Jahren eine immer höhere Reißfestigkeit erlangt, das schafft ab einem gewissen Volumen die modernste Pumpe nicht mehr", sagt Frank Dölle.

Aufklärung muss im Kindergarten und in der Gundschule schon beginnen!

Seiner Ansicht nach wäre es wichtig, wenn schon in der Kita aber spätestens in der Grundschule für das Thema der ordnungsgemäßen Toilettenbenutzung sensibilisiert werde. In erster Linie sind es jedoch die Eltern, die Vorbildfunktion haben! "Im Internet gibt es sogar Lehrvideos, auf denen man sieht, wie sich Ratten in der Kanalisation an Essensresten wie beispielsweise Spaghetti laben!" Klar müsse den Bürgern auch sein; "Fällt ein Pumpwerk gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aus, können wir nicht hexen und eine Sauerei ist möglicherweise vorprogrammiert." Im Einzugebebiet der ZOWA gibt es 120 Groß- und 180 Kleinpumpanlagen, die gewartet und betreut werden müssen.

Einen möglichen Stör- oder gar Ausfall könne Jedermann nicht nur daran erkennen, wenn etwas im eigenen Haushalt nicht richtig abfließt. Sondern auch an den ZOWA-Stationen, meißt an Straßen gelegen. Dort würden rote Warnleuchten auf den Häuschen der Pumpstationen aufblitzen. An jeder dieser gibt es ein Hinweisschild mit der Bereitschaftstelefonnummer der ZOWA.

Für Rückfragen steht Meister Frank Dölle auch gern persönlich unter der Telefonnummer 03332 / 41 65 74 oder per E-Mai an info@zowa.de zur Verfügung. asc

"Griff ins Klo"

"Baby- und Rentner-"windeln landen immer regelmäßiger in der Toi-lette anstatt im Restmüll. Doch auch scharfe Rasierklingen und Nadeln müssen die Pumpentechniker alltäglich aus den Rohrleitungen entfernen. Die Recherche für den Leitartikel dieser Ausgabe war alles andere als appetitlich. Dabei haben wir in der Redaktion noch ein relativ harmloses Bild fürs Titelcover ausgewählt! Bedenkt man, dass gerade in den ländlichen Gebieten, so auch in Tantow, ein überwiegender Teil der älteren Bevölkerung lebt, so verwundert es um so mehr, dass genau diese Generation augenscheinlich vergessen hat, wozu der Abfluss (besonders das Klo) denn eigentlich da ist! Nämlich dazu, sein "Geschäft" zu verrichten, Stuhlgang und Urin der letzten Reise zuzuführen. So kann durch die nun erfolgte Aufklärung in dieser Zeitung und des Alarmruf des Abwasserverbandes ZOWA nur noch einmal eindringlich an den gesunden Menschenverstand einiger Zeitgenossen appelliert werden. Wenn Rasierklingen oder Nadeln im Abwassersystem landen und sich dadurch die Pumpenwärter lebensgefährlich bei den Reinigungsarbeiten verletzen können, da hört der Spaß nun wirklich auf. Insofern erst nachdenken, bevor die Spülung betätigt wird! Gut wäre es wohl auch, wenn die Städte, Ämter und Kommunen auf ihren Internetseiten und in den kommenden Amtsblättern noch einmal zur Vernunft aufrufen würden! Oder müssen etwa die Volkshochschulen unserer Region schon bald einen Klo-Knigge-Kurs anbieten?

Ein Kommentar von:

Andreas Schwarze

(verantwortlicher Redakteur Uckermark-Ost)