Abschied in den Ruhestand

Abschied in den Ruhestand

Die Streifenpolizisten Rainer Volkmann und sein Partner Detleff Müller können sich „blind vertrauen“. Jahrelang sind sie ein eingespieltes Team. Für Detleff Müller wird Ende November sein Berufsleben zu Ende gehen. Fotos: Andreas Schwarze (asc)

Dienstältester Revierpolizist Detleff Müller (60) blickt zurück

Höhepunkt seiner Polizeilaufbahn: 1996 erfolgte die Ernennung zum Polizeihauptmeister für Detleff Müller. Foto: asc

Schwedt/Gartz. Es ist Wohl eine nicht alltägliche Berufskarriere, wenn man von sich behaupten kann, ein und dem selben Arbeitgeber seit 1983 ununterbrochen zur Verfügung zu stehen. Kaum noch vorstellbar in einer heutigen, schnelllebigen Zeit. Geglückt ist dieses dem dienstältesten Revierpolizisten im Bereich des Polizeireviers Schwedt Detleff Müller.

Dessen Wirkungsbereich hat sich seit den Polizeireformen auf einen beachtlichen Radius von Tantow, Casekow und Gartz im Amtsbereich Gartz (Oder) bis hin in die Ortsteile der Nationalparkstadt erweitert. Daran hätte er im Jahr 1983 nach abgeschlossenem Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) in der Dröger Heide und vorausgegangener Ausbildung im PCK als Maschinist für Wärmekraftanlagen und seit 1977 anschließender Tätigkeit als Heizer und Maschinist in der Deutschen See Reederei auf den am Rostocker Hafen ansässigen Schiffen MT Tanker"Lützendorf II" und der "Schwarzheide" - welche ihn über die Weltmeere vom Persischen Golf über die Niederländischen Antillen bis nach Japan führte - nicht zu denken gewagt.

Geworben wurde Detleff Müller als junger Soldat während seiner NVA-Zeit nach der Seefahrt für den Staatsdienst, versah seit 1983 erst den Dienst als Schutzmann in Angermünde und bekam schließlich das Angebot der Stelle des Abschnittsbevollmächtigten nach seiner Ausbildung (im Volksmund ABV genannt) in der Stadt Gartz 1987 angeboten.

Gartz gehörte damals noch zum Altkreis Angermünde. Da seine Frau mit den zwei Kindern dort lebte und arbeitete, "so kam das Angebot der ABV-Stelle wie ein Geschenk Gottes", erinnert sich Detleff Müller.

Doch die ersten Dienstjahre im kleinen Oderstädtchen waren alles andere als komfortabel. Zunächst mit einer Schwalbe, später mit der einer 150 TS ging es, ob Sommer oder Winter, bei Hitze oder Schneetreiben zu den Einsätzen über die Dörfer. Und das Aufgabenspektrum war vielfältig, doch anders als das was man heutzutage im Polizeidienst so erlebt. "Kneipenschlägereien, Futtermitteldiebstähle oder auch hin und wieder Grenzübertritte von alkoholisierten Polen waren mein Tagesgeschäft", so Detleff Müller.

Tragischer Einsatz in Mescherin

Doch im Jahr 1988 sollte ein Ereignis eintreten, welches Detleff Müller auch heute noch in seinem bösen Traum begleitet. In Mescherin hatte ein Vater seine 3-jährige Tochter "aus den Augen verloren" und das Kind begab sich zum Spielen an die Oder, wo es auf tragische Weise ertrank. Detleff Müller und Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr waren es, die das leblose Kind dann bei Suchmaßnahmen entdeckten und bargen. Bilder, die man in der Lebenszeit nicht vergisst. Und mit "der Wende" sollten die Schicksale nicht abreißen. In vielen Familien brach der soziale, sozialistische Zusammenhalt weg, LPG-Betriebe wurden abgewickelt und für manche war nur noch Selbstmord ein Ausweg.

Die Wendezeit

Doch auch Veränderungen in der Polizeistruktur waren einschneidende Erlebnisse im Berufsleben. Im Jahr 2010 wechselten Detleff Müller und sein langjähriger Kollege Polizeihauptmeister Fritz Sternkicker zur Revierpolizei nach gewissen Umstrukturierungen im Polizeiapparat nach Schwedt/Oder. Aus dem Gartzer Polizeistübchen, welches im alten Rathaus und später der Amtsverwaltung untergebracht war, ging es in die Schwedter Bahnhofstraße. Dort bekam Detleff Müller einen neuen Kollegen zugeteilt. Rainer Volkmann, der 56-jährige steht auch heute noch als fester Partner im Streifendienst an seiner Seite. "Auf Detleff ist und war immer Verlass, wir konnten uns blind vertrauen. Ich werde mehr als nur eine Träne weinen, wenn er uns nun Ende November verlassen wird", sagt Rainer Volkmann. Und Gerd Sümnich, er ist Kriminaltechniker bei der Kripo in Schwedt, ergänzt: "Gut 15 Jahre kenne und schätze ich Detleff nun. Wir haben uns bei der Spurensicherung und Beweisaufnahme stets vorbildlich ergänzt."

Aufstieg auf der Karriereleiter und Veränderungen in der Polizeistruktur

Als deutlichen Höhepunkt in seiner Polizeilaufbahn schätzt Detleff Müller für sich selbst die Beförderung zum Polizeihauptmeister im Jahr 1996 ein. Doch auch kritische Seiten hat der Ende November in den Vorruhestand ausscheidende Beamte anzumerken. "Die Kassen der Landesregierung sind so voll wie noch nie, doch Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurden längst gestrichen. Und auch, dass der Wirkungskreis immer größer wird, ist ein fataler Fehler, so müssen wir bei Gefährdungslagen bis ins Berliner Umland einspringen, das darf so nicht weitergehen." Tatsächlich erkennt man auf Landes- und Bundesebene spätestens seit dem letzten Wahlkampf wieder die Tatsache, dass der "Schutzmann zum Anfassen" unabkömmlich ist. Mit Projekten wie "regionale Dienstzimmer" oder "mobile Sprechstunde" besinnt man sich auf aus DDR-Zeiten Altbewährtes. Eine Entwicklung, die Detleff Müller nun aus dem Ruhestand weiter beobachten wird. Doch steht an erster Stelle demnächst seine Familie, der Garten und das Häuschen und auch die große weite Welt soll noch ausgiebig bereist werden. Seiner Wahlheimat Gartz an der Oder will der gebürtige Dresdner aber treu bleiben. Bleibt noch, ihm dafür recht viel Kraft und möglichst stabile Gesundheit zu ­wünschen! asc

Kommentar

Es ist die "Geschichte" eines der dienstältesten Revierpolizisten in der Region, der Ende November in den Ruhestand geht. Eines wurde im Interview deutlich: Der erfahrene Beamte hat so seine Bauchschmerzen mit den Veränderungen in den vergangenen Jahren in der Polizeistruktur. Und mit seiner Meinung ist er nicht alleine! Abschaffung von Dienstzimmern, weniger Beamte in der Fläche oder die beschämende Tatsache, dass den Polizisten im Land Brandenburg - die es mit immer anspruchsvolleren Aufgabenfeldern und dem zunehmend rüden Ton auf der Straße zu tun haben - unlängst Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen wurde. Diese Umstände der zunehmenden Arbeitsbelastung haben sich herumgesprochen und so wird es auch für die Landespolizei­schule zunehmend schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden. Doch auch in der Pressearbeit der Polizeibehörde, das sage ich als Journalist, lässt die Kommunikation zunehmend zu wünschen übrig. Ein Verkehrsunfall mit verunglücktem Rehlein oder ein Blechschaden werden in den Lage­berichten an die Presse kommuniziert. Kommt es jedoch zu polizeiintern definierten "besonderen Gefährdungslagen", so erfährt der neugierige Pressevertreter zunehmend erst auf aktive Nachfrage von Details wie Betäubungsmittelproblematiken in Asylheimen oder Streitigkeiten zwischen verschiedenen Nationalitäten (wie jüngst in Schwedt geschehen). Das darf nicht sein!

Andreas Schwarze
Verantw. Redakteur UM-OST

Kommentare

  1. User
    Buschist a.D.. SH, Fr, 17.11.2017 21:17

    Toller Bericht für einen netten Kollegen. Und ein Kommentar, der den Nagel auf den Kopf trifft.

  2. User
    Arno Schwedt, Fr, 17.11.2017 22:02

    Wohl wahr was Herr Schwarze in seinem Kommentar von sich gibt und es kann nicht sein das gewisse Probleme todgeschwiegen werden vom Präsidium. Das hilft weder der damit vermeintlich einhergehenden Ruhe in der Bevölkerung noch den Beamten vor Ort die sich nicht auf Verstärkung im Ernstfall verlassen können da die Politik denkt außer Wildunfällen nichts los in Schwedt. Zum Glück gibt es Facebook Portale in Schwedt wo die Wahrheit steht

  3. User
    Buschist a.D.. SH, So, 19.11.2017 19:14

    Toller Bericht für einen netten Kollegen. Und ein Kommentar, der den Nagel auf den Kopf trifft.