Stichwahl in Teltow

Stichwahl in Teltow

Ein skeptischer Blick in die Zukunft: Seit 16 Jahren ist Thomas Schmidt Bürgermeister seiner Heimatstadt Teltow. Nach der Stichwahl am 15. Oktober will er eine dritte Amtszeit antreten. Foto: sg

Knappe 47,1 Prozent reichen nicht zur Wiederwahl von Thomas Schmidt im ersten Wahlgang

Teltow. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Das gilt in besonderem Maß für Teltow, denn hier standen am vergangenen Sonntag neben den Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 61 auch vier Bürgermeisterkandidaten zur Wahl. Da keiner von ihnen die 50-Prozent-Hürde im ersten Anlauf erfolgreich überwinden konnte, müssen die Teltower am 15. Oktober zur Stichwahl noch einmal an die Urnen.Dann stehen sich der langjährige Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) und der Unternehmer Andreas Wolf (BfB/Freie Wähler) gegenüber.

Der erste Wahlgang lief für Schmidt mit 47,1 Prozent zwar deutlich besser als für Wolf, der nur 23,2 Prozent der Stimmen erreichte, aber gereicht hat es eben nicht, obwohl der SPD-Politiker das schon einmal bei einer Wahl mit vier Gegenkandidaten geschafft hatte. Jetzt hat ihn das lange Hin und Her um die Marina und der teils aggressive Angriff des Unternehmers Wolf offenbar angeschlagen.

Sicher ist er sich nicht, dass er diesmal aus der Stichwahl als Sieger hervorgeht. Dabei verteidigt Schmidt das Hafenprojekt wie am ersten Tag und ist nach wie vor davon überzeugt, mit Bootsanlegern und Gastronomie am Wasser nicht nur Geld in die Stadt zu holen, sondern vor allem auch den Teltowern etwas Gutes zu tun. "Die Marina ist mit 15 Millionen Euro veranschlagt und komplett durch Haushaltsmittel abgesichert", sagt Schmidt im Gespräch mit dem BlickPunkt und fügt hinzu, dass die Stadt mit 14 Euro Schulden pro Kopf der Bevölkerung als schuldenfrei gelte. Gegner Wolf hat hingegen wiederholt von rund 20 Millionen Euro Kosten für die Marina gesprochen, die er für kaum finanzierbar hält. Stattdessen fordert und verspricht er kostenfreie Kitaplätze und Essen für Kita- und Schulkinder gratis. Wie das allerdings finanziert werden soll, muss noch erläutert werden.

Schmidt steht diesen Versprechungen skeptisch gegenüber. Er leitet die Geschicke der Stadt seit 2001 und ist 2009 mit einer Mehrheit von 53 Prozent wiedergewählt worden. In der Politik ist der gelernte Koch schon seit 1990, als er mit einigen Arbeitskollegen spontan den Ortsverein der SPD gründete und zur Wahl antrat. Damals wurde er Beigeordneter für Bildung, Kultur, Sport und Soziales der 17.000-Einwohner-Stadt. Inzwischen hat Teltow 10.000 Einwohner mehr und wächst als Berliner Umlandgemeinde weiter.

Für den Bürgermeister bedeutet das in erster Linie die Regelung der Infrastruktur: "Wohnungen werden in den meisten Fällen von privaten Investoren gebaut, die Kommune konzentriert sich auf den sozialen Wohnungsbau", sagt Schmidt. Für Schulen, Kitas und Sportplätze hingegen muss die Stadt sorgen. Als Beigeordneter hatte der heute 56-Jährige 1990 auch die Idee, zusammen mit den Berlinern aus dem angrenzenden Steglitz die Wiedervereinigung zu feiern. So entstand das Teltower Stadtfest in der Lichterfelder Allee. Seither ist das Fest mehrmals umgezogen, zunächst in die Altstadt, bis dort das ehemalige Kulturhaus zum Rathaus umgebaut wurde. Mit Baugerüsten wurde das Feiern zu gefährlich, deshalb zog man weiter ins Gewerbegebiet, wo das Stadtfest in viel größerer Form auch an diesem Wochenende wieder steigt.

Wer Schmidt zur Marina befragt, versteht sofort, warum ihm das Projekt am Herzen liegen muss. Als echter Teltower, die hier direkt an der Mauer aufgewachsen ist, hat er die Stadt stets mit dem Wasser verbunden. Da er selbst aber gar nicht maritim unterwegs ist, setzt er vor allem auf den Standortvorteil, von dem alle Teltower profitieren sollen. Denn bislang gibt es nur wenig attraktive Orte zum Einkehren in der Stadt. Und Schmidt weiß als Gastronom, welche Vorteile ein Biergarten an Wasser für das Lebensumfeld mit sich bringt. Freimütig erzählt er, dass er schon als junger Bausoldat zufällig erfahren hat, dass auf dem Bauplatz der Marina früher Mauerteile gegossen wurden. Dass dort Betonreste und andere umweltbelastende Stoffe aus dem ehemaligen Betonwerk im Boden zurückgeblieben sind, sei allen bekannt gewesen. Und schließlich sei es ja auch besser, den Baugrund zu reinigen als einfach nur zu versiegeln, sagt Schmidt überzeugt.

Herausforderer Wolf hat in der Vergangenheit bereits öffentlich angekündigt, das Wahlergebnis eventuell anfechten zu wollen. Am vergangenen Sonntagabend hatten sich eigentlich alle Kandidaten im Rathaus einfinden wollen, nur Wolf erschien nicht und feierte lieber an einem anderen Ort mit seinen Wahlhelfern. Neben der Marina hatte Unternehmer Wolf auch die Altanschließer-Problematik zum Thema gemacht. Da hier jedoch der zuständige Verband in der vergangenen Woche eine Lösung gefunden hat, dürfte dieses Thema aus dem Wahlkampf für die Stichwahl verschwinden.  sg

Kommentare

  1. User
    Roland Schmid Teltow, So, 01.10.2017 13:47

    Dass der derzeitige Teltower Bürgermeister Thomas Schmidt ein besonders skrupelloser Lügner ist, ist ja insbesondere für den aktuellen Bodenspekulations- und Korruptionsskandal sogar mittels amtlichen Katasterauszug bewiesen: plus.google.com/103247635037542125183/posts/MAB8vN516S1 Im folgenden Richtigstellungen zu einigen Sätzen in diesem Artikel hier: „„Die Marina ist mit 15 Millionen Euro veranschlagt und komplett durch Haushaltsmittel abgesichert", sagt Schmidt im Gespräch mit dem BlickPunkt und fügt hinzu, dass die Stadt mit 14 Euro Schulden pro Kopf der Bevölkerung als schuldenfrei gelte.“ Eine üble Augenwischerei: Die Stadt Teltow hat riesengroße Schulden und zwar bei ihren Bürgern. Und zwar insbesondere als Versäumnisse bei den nicht geleisteten Aufwendungen beim Herrichten der dringend notwendigen Verkehrsinfrastruktur. Hier einige Beispiele aus der Vielzahl der Versäumnisse: fehlende Teltowwerftbrücke: plus.google.com/103247635037542125183/posts/ERtbLk26bs8 fehlende Fritz-Schweitzer-Brücke: plus.google.com/collection/QQnETE fehlende, ordentlich befestigte Wege über die Buschwiesen: plus.google.com/103247635037542125183/posts/STWeJaN1w9z fehlende Brücke für die Radfahrer über die Westseite des S-Bahnhofes: plus.google.com/103247635037542125183/posts/9dGrTFaDGsw nicht mal das fehlende kurze 3,30m-Stückchen nicht-fahrbahnbegleitender, selbstständig geführter Radweg an der Nordostecke Vancouverstraße hat die Stadtverwaltung zustandegebracht: plus.google.com/103247635037542125183/posts/RKGrg8Zt87K ein fehlender Bürgersteig zur Schulwegsicherung: plus.google.com/103247635037542125183/posts/4SRtZG68mzh zur dreisten Lüge des derzeitigen Bürgermeisters, das übel holprige Kopfsteinpflaster (industriell hergestellt mit Pflasterspaltmaschinen) in der Altstadt wäre historisches Pflaster und dürfe nicht ausgetauscht werden. Das Gegenteil ist wahr: plus.google.com/103247635037542125183/posts/QmTVPpptuf4 nicht einmal Fahrradabstellanlagen bringt die Stadtverwaltung zustande wo sie dringend gebraucht werden: plus.google.com/103247635037542125183/posts/hJsBofvDJid „In der Politik ist der gelernte Koch schon seit 1990, als er mit einigen Arbeitskollegen spontan den Ortsverein der SPD gründete und zur Wahl antrat.“ Eine besonders freche Lüge: Als Thomas Schmidt erst im Februar 1990 bei den SPD-Versammlungen in Erscheinung trat, hatte die SPD in Teltow schon seit Herbst 1989 existiert! Nur als kleines Detail: So wurde ich z.B. im Dezember 1989 von der SPD Teltow zum „Runden Tisch“ ins Teltower Stadthaus delegiert. Meine Mitgliedskarte von damals besitze ich noch, dort ist dokumentiert, dass ab November 1989 schon geordnet Mitgliedsbeitrag entrichtet wurde. Dass Thomas Schmidt dann ab Februar in der SPD Teltow aktiv wurde hatte folgenden Grund: Ab Ende Februar 1990 wurden dann schon die Kandidaten der SPD für die am 6.Mai geplanten Kommunalwahl aufgestellt. Da haben solche Typen wie er sich natürlich beeilt um sich da hineinzudrängeln um Kariere zu machen was unter den damaligen besonderen Umständen ganz einfach war. „Dass dort Betonreste und andere umweltbelastende Stoffe aus dem ehemaligen Betonwerk im Boden zurückgeblieben sind, sei allen bekannt gewesen.“ Eben und so eine Sanierung ist dann nicht aus dem Haushalt der Stadt Teltow zu finanzieren. Sondern vor einem Verkauf an die Stadt von den vormaligen Grundstückseigentümern. Dass die dann für eine eventuelle Sanierung Finanzen letztendlich insbesondere aus dem Bundeshaushalt erhalten hätten ist dann eine ganz andere Geschichte, weil es sich im Wesentlichen um kriegs- und teilungsbedingte besondere Lasten handelt. Im hiesigen Teltower Monatsjournal lokal.report Ausgabe Mai 2017 ist ein Leserbrief mit Details zum Gesamtvorgang abgedruckt worden. Viele Grüße Roland Schmid