Ehemaliges Sens Convent Hotel kostet Landkreis Millionen

Ehemaliges Sens Convent Hotel kostet Landkreis Millionen

Idyllische Lage im Grünen und völlig ungenutzt: Das ehemalige Sens Convent Hotel in Michendorf kostet den Landkreis Millionen. Foto: ugw

Schon 2020 könnte das Gebäude wieder ein Hotel sein, etwas anderes ist nicht erlaubt

Das ehemalige Hotel von hinten: Noch immer wird gebaut, ob es auch bezogen wird, steht in den Sternen. Foto: ugw

Michendorf. Eigentlich war alles ganz klar. Im Rahmen der Willkommenskultur wollte auch der Landkreis Potsdam-Mittelmark ein Zeichen setzen und beschloss, das Sens Convent Hotel in Michendorf ab Januar 2016 langfristig zu pachten, um hier eine Flüchtlingsunterkunft für bis zu 200 Menschen entstehen zu lassen. Doch es kam anders.

Wer heute durch Michendorfs Zentrum geht, sieht ein Gebäude, das inzwischen vom Leerstand gezeichnet ist. Nächtliche Beleuchtung und ein aufmerksamer, stets präsenter Wachschutz zeugen aber dennoch davon, dass noch etwas geschehen soll. Ein Rückblick lässt dies zumindest teilweise bezweifeln.Seit Pachtbeginn im Jahr 2016 wurden den Michendorfer Bürgern im Abstand von wenigen Monaten immer wieder "verbindliche" Termine genannt, an denen die Asylsuchenden garantiert in das monatlich 59.000 Euro teure Gebäude einziehen sollten.

Entsprechend die Vorbereitung der Anwohner: Es wurden Initiativen gegründet, kulturelle Aktivitäten geplant und selbst das Theater-Ensemble "kleine Bühne" plante gemeinsame Aufführungen zur schnellen Integration. Bürgermeister Reinhard Mirbach führte sogar schon Besichtigungen durch, deren Ziel es war, den von den Geflüchteten nicht benötigen Raum, wie zum Beispiel der Konferenzsaal, für Theateraufführungen zu nutzen.

Zwischenzeitlich wurde beim Landkreis entschieden, die erhebliche Pacht für den Leerstand in einen Kauf umzustrukturieren. Zum 30. Juni, nach 18 Monaten Pacht zu je 59.000 Euro, wurde dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt. Für 4,3 Millionen Euro erwarb der Kreis Potsdam-Mittelmark das Gebäude. Der Eigentumsübergang, also der Eintrag ins Grundbuch, ist allerdings bis heute nicht erfolgt. Und so zahlt der Kreis erst einmal weiter die monatliche Pacht.

Um das Gebäude irgendwann doch als Flüchtlingsunterkunft nutzen zu können, waren einige bautechnische Modifikationen nötig. Der Brandschutz entsprach beispielsweise nicht den Vorgaben. Zudem musste der einsetzende Verfall gestoppt und Vieles ausgebessert werden. Dafür wurde erfolgreich ein Architekt beauftragt. Bautechnisch gesehen ist das Gebäude nun bezugsfertig.

Dennoch ist in naher Zukunft nicht mit Flüchtlingen zu rechnen, denn es gibt zu wenig Parkplätze für die geplante Nutzung. Das Landratsamt bestätigte auf Anfrage des BlickPunkt, dass zunächst noch sieben bis neun Parkplätze gebaut werden müssten, um den Bestimmungen und Anforderungen der Gemeinde zu entsprechen.


Flächennutzungsplan erlaubt nur ein Hotel


Und dann? Aufgrund einer Sonderregelung, denn gemäß Bebauungsplan darf die Fläche ausschließlich als Hotel genutzt werden, könnte das Gebäude bis Ende 2019 tatsächlich zu der lange angekündigten Flüchtlingsunterkunft werden. Zumindest theoretisch. Folgendes Szenario wäre allerdings auch vorstellbar: Der Kreis meldet nach dem Bau der Parkplätze dem Land seine freien Unterkunfts-Kapazitäten und bittet um Zuweisung von Flüchtlingen.

Da das Land aber inzwischen nachweislich auch erheblichen Leerstand in den eigenen Unterkünften hat, wäre es nicht unrealistisch, dass primär die eigenen Unterkünfte gefüllt werden, bevor man weitere Kosten für eine Flüchtlingsunterkunft in Michendorf produziert. Unabhängig davon müsste die Gemeinde Michendorf dann für die Zeit ab 2020 eine Umnutzung der Fläche auf der das ehemalige Hotel steht beschliessen, damit diese kostspielige, zeitlich begrenzte andere Nutzung auch eine Perspektive hat. Denn die Planungshoheit hat die Gemeinde.

Ein erster Versuch im Bauausschuss dafür eine Mehrheit zu finden scheiterte im vergangenen Frühjahr. Günter Jentzsch, sachkundiger Bürger im Michendorfer Bauauschuss, war seinerzeit bei der Sitzung dabei. "Es war allen ganz klar und es gab nur eine Meinung. Die Fläche wurde damals aus dem Landschaftsschutz herausgenommen, um Gewerbe und Kaufkraft für den Ort zu generieren. Und bei dieser Nutzung soll es bleiben", erklärt er. Und so könnte das ehemalige Hotel nach einer fünfjährigen Odyssee 2020 wieder zu einem Hotel werden. Dann allerdings mit mehr Parkplätzen.  ugw

Kommentare

  1. User
    Dreger Berlin, Mo, 18.09.2017 23:15

    Liebe Redaktion, bitte im Bezug auf "wirtschtliche" " Schwierigkeiten besser recherchieren! Danke Karsten Dreger