Prekäre Arbeitsverträge am Pranger

Prekäre Arbeitsverträge am Pranger

V.l.: Marianne Wendt (DGB-Kreischefin), Laura Schieritz (FDP), Andreas Büttner (LINKE), Steffen John (AfD), Thomas Dyhr (B90/Grüne) und Stefan Zierke (SPD) debattierten mit rund 50 Bürgerinnen und Bürgern über die ganz große Bundespolitik. Foto: Andreas Schwarze (asc)

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) organisierte Wahlpodium

„Jede Mark für Flüchtlinge ist richtig! Wir haben keine Alternative!“ Diese Meinung vertritt der Rentner Peter Höppner aus Mescherin. Foto: asc

Schwedt. Die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes läuft langsam aber sicher an. In diesen Tagen beginnen die Parteien unübersehbar mit der Plakatierung an den Straßen, veranstalten Infostände, meist vor Discountern, besuchen Betriebe und Institutionen oder folgen der Einladung zum Dialog. So am vergangenen Dienstag in Schwedt.

Denn der Kreisverband Uckermark des DGB hatte seine Mitglieder, aber auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen, um gut drei Stunden lang mit den Direktkandidaten für den Wahlkreis 57 (Barnim/Uckermark) zu diskutieren. Und alle waren gekommen: Andreas Büttner (LINKE), Stefan Zierke (SPD), Thomas Dyhr (Bündnis90/Grüne), Steffen John (AFD) und als "Politikküken" die gerade erst 19-jährige jungliberale Laura Schieritz (FDP), welche sich bei den rund 50 erschienenen Gäste gut zu präsentieren wusste. "Ich senke mit meiner Kandidatur den Altersdurchschnitt in der Politiklandschaft. Junge Menschen verbreiten nämlich Optimismus und bringen neues Denken mit", sagte sie in der Diskussionsrunde. Diese wurde von der DGB-Kreisverbandsvorsitzenden Marianne Wendt moderiert.

Für Laura Schieritz hat das Thema Bildung im Wahlkampf oberste Priorität. "Schule und Bildung sind zentrale Themen in unserem Staat und müssen Bundessache sein", meinte sie. Doch auch mit den Fragen, wie die finanzielle Altersabsicherung künftiger Generationen nachhaltig sichergestellt oder wie die Digitalisierung in der Verwaltung vorangetrieben werden könne, beschäftigt sich die Lehramtsstudentin, die ihren Wohnsitz unweit von Bernau hat.

Bei Andreas Büttner von den LINKEN stehen faire Arbeitsverträge ganz oben auf der Agenda. "Es kann nicht sein, dass Menschen durch Zeitarbeitsfirmen verliehen werden oder Befristung von Arbeitsverträgen mittlerweile die Regel anstatt die Ausnahme seien", sagte er. Und wenn immer mehr Menschen durch solch prekäre Arbeitsbedingungen aufstocken müssten, so sei das entwürdigend. Auch die Tatsache, dass im reichen Staat Deutschland etwa 25 Prozent der Kinder in Armut leben müssten, prangerte er an.

Ähnlich sieht es Thomas Dyhr von den Grünen, wenn er meinte: "Kettenarbeitsverträge gehören verboten und sind unwürdig!"

Stefan Zierke von der SPD hingegen beschwichtigte: "Durch den Mindestlohn sind doch auch die Renten gestiegen." Und seine Partei stärke die Wirtschaft nach Kräften. Weiter sagte er mit Nachdruck: "Die Region Uckermark liegt nicht in einer Randlage, sondern im Herzen Europas und vor den Toren der Metropole Szczecin (Stettin)."

Steffen John von der AFD setzt im Wahlkampf hauptsächlich auf das Thema Asylbewerber. "Die Kanzlerin hat die Flüchtlingswelle eingeleitet!" polterte er los. Und unterdessen bliebe die Familien- und Kinderpolitik auf der Strecke. Auch sei die Stationierung von Bundeswehrsoldaten im Ausland nicht länger erträglich. "In Deutschland müssen Rentner Flaschen sammeln gehen, das muss man sich mal vorstellen", ergänzte er.

Den im Publikum anwesenden Mescheriner Peter Höppner brachten einige der Aussagen regelrecht auf die Palme: "Jede Mark für Flüchtlinge ist richtig! Wir haben keine Alternative!" sagte er. Steffen John entgegnete, das in Deutschland für Asylbewerber eingesetzte Geld wäre in den Heimatländern der Geflüchteten für Aufbauarbeit viel besser angelegt.

Im anschließenden Gesprächspunkt über die innere Sicherheit gab es unter allen Anwesenden durchgehende Einigkeit. Bei den Sicherheitsbehörden dürfe nicht länger gespart werden, insbesondere die Bundespolizei, die für die Überwachung der Grenzen zuständig sei, müsse endlich aufgestockt werden. Auch mehr Ausbilder an den Polizeischulen müssten eingestellt werden, um Polizeinachwuchs besser und schneller rekrutieren zu können.

Einigkeit herrschte auch beim Thema Daseinsvorsorge. So dürfe die Region Uckermark insbesondere beim Breitbandausbau oder der Bus- und Bahninfrastruktur im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht weiter ausgeblutet werden.

Im Gesundheitswesen, auch da waren sich die Bundestagskandidaten einig, dürfe "Gesundheit keine Ware sein" und auch bei den privaten Klinikbetreibern müsse genauer hingeschaut werden, ob diese nicht eher den Profit als das Wohl der Patienten sähen.

Zufrieden mit dem rund dreistündigen Dialog zeigte sich Marianne Wendt: "Wer liest sich schon bis zu 50 Seiten dicke Wahlprogramme durch. Die Gesprächsrunde konnte etwas zur besseren Verständigung beitragen", sagte sie dem BlickPunkt. Der CDU-Direktkandidat Jens Koeppen hatte seine Teilnahme wegen seines Jahresurlaubs abgesagt, informierte sie weiterhin.

Ein Schwedter Rentner, der diese Antwort beiläufig mitbekam, er vertrat den Standpunkt: „Zu gerne hätt´ ich den Koeppen mal gefragt, warum seine Partei auf EU-Ebene kürzlich dafür gestimmt hatte, dass die Trinkwasserversorgung nicht mehr zu den Grundrechten gehört.“ Fairerweise muss betont werden, auch die Liberalen stimmten mit großer Mehrheit ebenso.

Während der Diskussion fiel übrigens auf, dass es aus dem Publikum für den AFD-Kandidaten viel Applaus gab. asc

Kommentare

  1. User
    Corinna Ebert Schwedt, Do, 03.08.2017 10:40

    haha, heute in den nachrichten... trotz steigender beschäftigungszahlen sind die sozialausgaben wieder gestiegen... angeblich durch rente und krankenversicherung... blödsinn ... der mindestlohn ist nicht bedarfsdeckend und muss immer aufgestockt werden. die meisten können von ihrer hände arbeit nicht mehr leben. was bringt es also, die menschen in billiglohnjobs zu pressen anstatt endlich dafür zu sorgen, das gute arbeit auch gut bezahlt wird? die, die heute noch halbwegs gut verdienen glauben sich sicher, aber auch ihnen wird iwann nichts anderes bleiben, als sozialleistungen zu beziehen, werden doch immer mehr AN durch zeitarbeiter oder mindestlöhner ersetzt... also immer schön aufpassen, beim keuleschwingen gegen arbeitslose- der weg dahin ist ziemlich kurz und geht schneller, als man denkt... die SPD soll endlich zugeben, das ihre Agenda 2010 die menschen in die armut geschickt hat. diese partei ist unwählbar!!! PS: den Namen, falls es veröffentlicht wird, bidde abkürzen, danke Corinna Ebert

  2. User
    Arno Schwedt (Oder), Do, 03.08.2017 13:44

    Als Gast dieser Dgb Veranstaltung muß ich sagen der Herr Zierke hat von allen Anwesenden die schlechteste Figur gemacht. Faselte was von 15000 neuen Stelllen bei Sicherheitsbehörden aber Wie, Wo, Wann die Antwort blieb er schuldig. Der Artikel hier gefällt mir ansonsten recht gut im Vergleich was man in der Tageszeitung ausschließlich gedruckt Lesen kann doch besser.