Zank ums Badevergnügen

Zank ums Badevergnügen

Idylle pur! Am Nebenarm der Oder - unweit des Gartzer Sportplatzes - befindet sich die „inoffizielle Badestelle" der Stadt. Foto: asc

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt beräumte Badestelle

Gartz (Oder). Der Sommer entfaltet in diesen Tagen seine Kraft erst so richtig. Das Quecksilber kratzt an der 30 Grad-Marke, doch ausgerechnet jetzt ist Schluss mit dem Badevergnügen für die Gartzer Bevölkerung. Die seit 2013 bestehende einzige Badestelle, direkt neben Bollwerk und Sportplatz gelegen, ist Mitte Mai zurückgebaut worden.

Unmut macht sich breit

"Heimlich, still und leise durch das für dieses Gebiet zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Eberswalde (WSA)", sagt jedenfalls Amtsdirektor Frank Gotzmann. Wobei sein Sachgebietsleiter Ordnungswesen Wolfgang Grösch zu bedenken gibt: "Im Amt Gartz gab es noch nie offizielle Badestellen. Egal ob Damitzow, Mescherin oder Gartz, das Amt betreibt keine derartigen Einrichtungen und die wilden Badestellen werden lediglich soweit möglich durch die Gemeindearbeiter von Müll befreit." Tatsächlich ist vielen Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland das Risiko der Haftung für Badestellen zu groß. Die staatlichen Anforderungen an die Sicherheit der Badegäste hoch angesetzt.

Gartzer Bürger und ehemalige Gemeindevertreteter hatten im Jahr 2013 in Eigeninitiative die Gartzer Badestelle quasi in Handarbeit geschaffen. Bänke wurden aufgestellt, Mülleimer installiert und sich um Verschönerungsarbeiten bemüht. Sogar an den Straßen in der Stadt wurde eine Ausschilderung für Touristen installiert. Da sich die Badestelle jedoch auf einer Liegenschaft des WSA befindet, wurde "per Handschlag und vor Ort mit einem Vertreter der Nationalparkbehörde seinerzeit eine Nutzungsvereinbarung mündlich geschlossen", erinnert sich ein ehemaliger Stadtverordneter der seinen Namen nicht in dieser Zeitung lesen will. Er ist entsetzt, dass das, was in liebevoller Arbeit errichtet wurde, nun zerstört ist.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt verteidigt sich

Doch beim WSA kontert man unterdessen und teilt auf BlickPunkt-Anfrage folgendes mit: "Geschäftsgrundlage seit preußischen Zeiten ist ein schriftlicher Nutzungs- und Gestattungsvertrag für Liegenschaften", so WSA-Pressesprecher Sebastian Dosch. Und er ergänzt: "Die Beräumung der Fläche ist erfolgt, da mit der Amtsverwaltung Gartz seit weit über einem Jahr kein Ergebnis zur Legalisierung und zur Betriebsübernahme mit verbundener Haftung erzielt werden konnte." Beim WSA als Bundesbehörde will man also nicht für mögliche Unfälle von Badenden haftbar gemacht werden und die formale Verantwortung auf Amt oder Stadt übertragen. Dafür wurde unlängst ein Mussterpachtvertrag konzipiert mit sehr niedrigem Pachtzins. Daran halte man auch künftig fest und es gibt laut Aussage des Behördensprechers weiterhin die Möglichkeit, alle Beteiligten Streithähne an einen runden Tisch zu holen. An Naturschutzauflagen jedenfalls soll es auch nicht scheitern. Die abgebauten Bänke und Papierkörbe sind auch nicht vernichtet sondern wettergeschützt in der Schwedter Außenstelle der Behörde zwischengeparkt. "Amt oder Stadt können kommen und sich die Dinge gerne abholen", so Sebastian Dosch.

Amtsdirektor Frank Gotzmann meint dazu wie folgt: "Das Baden an natürlichen Gewässern wie der Oder ist grundsätzlich erlaubt. Es ist schade, wie hier das WSA versucht, Verantwortung auf kleine Kommunen abzuwälzen. Ich hoffe, dass die Eberswalder Dienststelle als Eigentümerin der Liegewiese nun regelmäßig den Rasen mähen wird. Denn die seit 2013 aktiven Einwohner, welche die Bänke aufstellten, pflegten und den Rasen mähten, hat die Behörde durch ihre Aktion mehr als verstimmt."

Die Gartzer Stadtverordnetenversammlung hatte übrigens im Juni 2016 auf seiner Sitzung mit 10 Neinstimmen bei einer Enthaltung schon festgestellt, dass die Stadt nicht finanziell in der Lage ist, eine Pacht zu entrichten, geschweige denn die Haftung zu übernehmen. Ein Hintergrund sind staatlich erhöhte Auflagen an den Versicherungsschutz und die Haftung an Eigentümer und Betreiber.

Bleibt nun im Sinne von Einheimischen und Touristen, aber auch im Rahmen der Sicherheit, nur zu hoffen, dass alsbald eine neuer Versuch aller Seiten zur Befriedung herbeigeführt wird.

Gebadet wird trotzdem

"Wild gebadet" wird unterdessen an der Oder weiter. Müll und Unrat häufen sich, als Sitzgelegenheiten dienen Bierkisten oder herangetragene Baumstämme. Und auch mancher Hundebesitzer der Stadt hat das verwaiste Areal für sich als Hundeklo entdeckt, meinte ein Anlieger während der BlickPunkt-Recherche.

Kleiner Trost: Der Zugang zur Oder - aber auch zu allen anderen (Bade-)Gewässern - kann jedoch im Rahmen des § 25 des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushaltes (WHG) auch weiterhin auf eigene Gefahr gewährleistet werden. asc

Kommentare

  1. User
    Gartzer Gartz am Spittel, Do, 15.06.2017 10:23

    "Die Beräumung der Fläche ist erfolgt, da mit der Amtsverwaltung Gartz seit weit über einem Jahr kein Ergebnis zur Legalisierung und zur Betriebsübernahme mit verbundener Haftung erzielt werden konnte." Wenn sich dei Behörde doch ein Jahr lang bemüht hat? Wie mit dem Seniorenstift und anderen Dingen... In der Gartzer Amtsstube bleibt fast alles liegen, unbeantwortet, unbearbeitet. Richtig so daß dass WSA jetzt gehandelt hat!