Zehn Jahre Galerie Kunst Kontor

Friederike Sehmsdorf: Bindung und persönlicher Kontakt zu Künstlern und Sammlern

Potsdam. "Die Stadt muss mit ihrem kulturellen Tafelsilber pfleglicher umgehen, um ihm zu dem Glanz zu verhelfen, den es in sich trägt", sagt Friederike Sehmsdorf. Die Potsdamer Galeristin meint, dass das städtische Museum vom Rathaus ein wenig wie ein Stiefkind behandelt wird, dem man zwar ein ausreichendes Auskommen ermöglicht, aber eben auch nicht mehr. Und während Aschenbrödel vor sich hin rackert, glänzt nebenan das privat finanzierte Museum Barberini und hat sich innerhalb weniger Wochen zum Supermagneten für Touristen entpuppt.

Friederike Sehmsdorf ist mit ihrer Galerie Kunstkontor vor genau zehn Jahren an den Bertiniweg gezogen. Den runden Jahrestag feiert sie an diesem Wochenende mit einer beispielhaften Schau treuer Künstler, die sie seit Jahren im Potsdamer Raum exklusiv vertritt. Gezeigt werden unter anderem Werke von Carl Constantin Weber, Johannes Heisig, Robert Metzkes, Gudrun Brüne und Wieland Förster, dessen letzte Skulptur die Galerie aktuell ebenfalls zum Kauf anbietet. Mit dabei sind aber auch Gemälde des Multitalents Strawalde, von dem Sehmsdorf dem Potsdam Museum erst vor zwei Wochen zwei Bilder geschenkt hat. Einfach so, aus ihrem eigenen Bestand, weil sie das Museum und seine Macher unterstützen möchte.

Strawalde kennt die erfahrene Kunsthistorikerin seit ihrer Zeit am Märkischen Museum in Berlin. Dort bekam sie ihre erste Stelle und sollte Leiterin der Sammlung werden, nachdem sie 1989 das Studium an der Humboldt-Universität abgeschlossen hatte. Dann kam die Wende und Sehmsdorf fand sich in unsicheren Zeiten an einem sehr sicheren Ort wieder - eine Festanstellung im öffentlichen Dienst ist etwas, was man als Kunsthistorikerin nicht ohne Grund aufgibt. Aber mit der Wende kam auch ein jüngerer Chef ins Haus und Friederike Sehmsdorf wollte dort nicht bis Mitte 50 ohne jede Aufstiegschance festsitzen. Erst dann wäre ihr damaliger Vorgesetzter voraussichtlich pensioniert worden.

Ein Angebot des West-Berliner Kunsthändlers und Mitinhabers des Auktionshauses Villa Grisebach, Bernd Schultz, in der ebenfalls von ihm betriebenen Galerie Pels-Leusden tätig zu werden, konnte Sehmsdorf nicht ablehnen und wurde so schließlich zur Geschäftsfrau. 2003 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete ihre erste Galerie, bereits unter dem Namen Kunst Kontor, in einem ehemaligen Gemüsegeschäft in Falkensee.

Wenig später zog es Sehmsdorf und ihren Mann nach Potsdam an einen Ort, an dem Arbeit und Kinder besser vereinbar waren. Das Paar sanierte ein völlig heruntergekommenes Gebäude, das einst zur Villa Jacobs am Bertiniweg gehörte, und baute mit historischen Materialien an, um alles unter einen Hut zu bringen. Wer das Haus heute sieht, denkt es hat immer so dagestanden. Hier öffnete die Galerie Kunst Kontor ihre Pforten vor genau zehn Jahren, am 6. Mai 2007. Heute kommen viele Kunden aus Hamburg, Köln oder Düsseldorf, einige mittlerweile auch aus Babelsberg. Sie alle schätzen die Spezialisierung auf jüngere figürliche und gegenständliche Kunst aus dem Osten Deutschlands. Und sie wissen, dass auf die Galeristin Verlass ist, denn nur so könne man auf Dauer Künstler und Sammler an sich binden, sagt Sehmsdorf.

Die Liebe zur Kunst hat die Pfarrerstochter schon als Kind entdeckt. Als Zwölfjährige begann sie, Kunstpostkarten zu sammeln und bekam ein erstes Buch über berühmte Fresken der Wartburg. Mit 16 Jahren kannte sie bereits die meisten bekannten Maler. Ferienjobs im Museum oder bei archäologischen Grabungen auf Rügen taten ein Übriges. Schließlich waren es die Kulturwissenschaften, die Sehmsdorf einen Zugang zu akademischer Bildung ermöglichten. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bedauert. Das Jubiläum wird ein ganzes Wochenende lang gefeiert.  sg


 Öffnungszeiten und weitere Informationen gibt es auf kunst-kontor-sehmsdorf.de.