Brandenburgischer Judo-Verband wählt neuen Vorstand

Judosport in Brandenburg vor großen Herausforderungen

Potsdam. Auf der Mitgliederversammlung des Brandenburgischen Judo-Verbandes (BJV) wurde am Sonntag ein neuer Vorstand gewählt. Für die nächsten vier Jahre wird nun Daniel Keller, derzeitig Vorsitzender des SV Motor Babelsberg in Potsdam, die Geschicke des knapp 5.400 Mitglieder starken Sportverbandes leiten. "Ich freue mich über die neue Aufgabe und bin dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen der brandenburgischen Judovereine" erklärt Keller, der mit dreißig Jahren der jüngste Präsident in der BJV-Geschichte ist. Vorheriger Präsident Volkmar Schöneburg stellte sich nicht erneut der Wahl und wurde unter großen Beifall und mit Dankesworten von den anwesenden Delegierten verabschiedet.

Der Brandenburgische Judo-Verband steht durch die Leistungssportreform des DOSB unter großem Druck, so droht unter anderem die Schließung des traditionsreichen Judostützpunktes in Frankfurt (Oder) und auch die Perspektive für den Potsdamer Stützpunkt scheint unsicher. Diese Situation hat schon jetzt erste Konsequenzen für den Brandenburgischen Judo-Verband. So entschied sich Landestrainerin und Olympiasiegerin Yvonne Böhnisch aus Mangel an Perspektive und wegen fehlender Planungssicherheit zum Weggang vom Potsdamer Stützpunkt. Sie wird nun als Nationaltrainerin für Israel arbeiten. "Sie ist in Brandenburg großgeworden, lernte hier Judo und gewann als erste deutsche Frau im Judo olympisches Gold." erinnert sich Keller, der zum 18. Geburtstag eine Reise nach Athen geschenkt bekam und als Zuschauer in der Halle saß. "Yvonne wird uns fehlen und ich hoffe, sie in der Zukunft wieder als Trainerin für Brandenburg gewinnen zu können".

"Wir stehen vor großen Herausforderungen im Bereich Leistungssport, es ist schwer zu verstehen, warum der Deutsche Judo Bund gerade in Brandenburg erfolgreiche Strukturen zur Disposition stellt. So ist Brandenburg im nationalen Vergleich einer der erfolgreichsten Landesverbände im Nachwuchsbereich und konnte im letzten Jahr auf jeder nationalen Jugendmeisterschaft dominieren" beschreibt Keller, der selber die Sportschule in Frankfurt (Oder) besuchte, die Situation. Der Brandenburgische Judo-Verband gewann 2016 bei den Landesmannschaftsmeisterschaften der Altersklasse U14, U16 und U18 jeweils die meisten Medaillen gegenüber allen anderen Landesverbänden. Im Einzelwettbewerb, in dem es erst ab der Altersklasse U18 eine Deutsche-Einzelmeisterschaft gibt, führte der BJV das Medaillenranking mit fünf deutschen Meistern und sieben weiteren Medaillen ebenfalls an.

"Im Bereich der Männer und Frauen müssen wir in der Zukunft noch deutlich zulegen, hier benötigen wir neben Mareen Kräh, die als Brandenburger Judosportlerin bei Olympia 2016 startete, weitere Erfolgsgeschichten" so Keller. Noch im Sommer soll über die beiden brandenburgischen Judostützpunkte entschieden werden und damit auch über den Verbleib der Landes- und Lehrertrainerstellen. Um den Leistungsbereich im BJV weiter zu stärken und ein deutliches Zeichen zu setzen, wurde auf der Mitgliederversammlung eine deutlich veränderte Vorstandsstruktur verabschiedet, so wird es nun einen Vizepräsidenten Leistungssport geben, der unter anderem den Übergang in den Erwachsenenbereich für die Brandenburger Judosportler deutlich verbessern soll.

"Ich möchte mich gemeinsam mit dem Landessportbund Brandenburg und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport für den Erhalt der Stützpunkte einsetzen. Daher will ich schnellstmöglich versuchen mit den Entscheidungsträgern vom DJB und DOSB an einen Tisch zu kommen und hoffe, dass die letzten Messen noch nicht gesungen sind" so Keller. Mit über 60 Sportvereinen ist der Brandenburgische Judoverband aber auch im Breitensport stark vertreten. Es finden in Brandenburg an über vierzig Kindertagesstätten Judoangebote statt, auch zahlreiche Schularbeitsgemeinschaften werden durch die Sportvereine an den Schulen organisiert und durchgeführt. "Ich bin stolz auf die vielen ehrenamtlichen Trainer, Funktionäre, Kampfrichter und Helfer, ohne deren Engagement ein solcher Verband nicht existieren könnte. Nur durch diese positiven "Judoverrückten", die täglich ihre Freizeit zur Verfügung stellen, ist der Judosport in Brandenburg für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene erst erlebbar." red

Der neue Vorstand des BJV:

Präsident: Daniel Keller (Foto, 4. v.r.)
Vizepräsident Leistungssport: Reinhard Arndt (3. v.r.)
Vizepräsident Aus-, Fort- und Weiterbildung: Jan Schröder (2. v.l.)
Vizepräsident Breitensport: Dirk Krüger (1. v.r.)
Schatzmeisterin: Margot Belger (4. v.l.)
Referent Sport: Gregor Weiß
Referent Jugend: Hartmut Paulat (3. v.l.)
Referent Kampfrichter: Holger Lehmann (2. v.r.)
Referent Lehrwesen: Jan Schröder
Referent Prüfungswesen: Martin Reißmann (1. v.l.)
Referent Breitensport: Dirk Krüger
Referentin Presse: Birgit Arendt