Dass in jedem Jahr ein Baum des Jahres, ein Unwort des Jahres und selbst ein Auto des Jahres gekürt werden, ist hinlänglich bekannt. Auch vom Tier und vom Vogel des Jahres werden die meisten Menschen schon einmal gehört haben. Schön und gut. Mit dieser Sitte soll üblicherweise auf Missstände, wie beispielsweise Umweltzerstörung oder Bildungsnotstände aufmerksam gemacht werden. Allerdings treibt dieser Brauch mittlerweile doch recht seltsame Blüten. Beinahe skurril mutet es an, dass es für 2010 auch eine Alge des Jahres (Froschlaichalge), ein Weichtier des Jahres (Gemeine Schließmundschnecke) und sogar ein Moos des Jahres (Goldenes Frauenhaar) gibt. Letzteres ist laut NABU auch als Gemeines Widertonmoos oder Großes Haarmützenmoos bekannt. Mit der Schleiereule steht darüber hinaus ein Pilz des Jahres fest. Ja, Pilz, nicht Vogel. Denn die Schleiereule, auch Blaugestiefelter Schleimkopf genannt, ist tatsächlich ein Pilz. Die Gesellschaft für Mykologie, also Pilzkunde, kürte die Schleiereule, um auf ihre Gefährdung aufmerksam zu machen. Sicher ein hehres Anliegen. Für mich steht trotzdem fest, dass ich den ausufernden Soundso-des-Jahres-Wahn hiermit zum Unsinn des Jahres 2010 küre.
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