Mein Freund Hannes schwelgt gern in Kindheitserinnerungen. Zu Ostern erzählt er immer von einem für ihn traumatischen Ereignis: Während eines Osterspaziergangs versteckte seine Mutter für ihn auf einer Lichtung dreizehn Osterüberraschungen. Freudig und erfolgreich sammelte Klein-Hannes zwölf der Naschereien und Osternester ein, doch wo war Ei Nummer 13? Es begann ein Suchmartyrium, da sich Hannes‘ Mutter weder an den Ort des Verstecks noch an dessen genauen Inhalt erinnern konnte. Welch ein Grauen für Hannes, der sich in seiner kindlichen Fantasie ausmalte, welch österliche Freude ihm da entging. Schließlich gab er auf. Das verlorene Ei wird wohl noch heute dort im Wald liegen. Damit seinen Kindern morgen dieser Osteralptraum erspart bleibt, hat Hannes alle Eier, die er zu verstecken gedenkt, mit Mikrochips ausgestattet. Diese lassen sich mittels eines Peilsenders orten. Außerdem hat er das Versteck-Areal wie ein Minenfeld mit gelben Absperrband markiert. Dass bei diesen kostenintensiven Ostervorbereitungen nur wenig finanzieller Spielraum für die Osterpräsente übrig blieb, ist die Kehrseite der Medaille. Vielleicht sollte Hannes im nächsten Jahr einfach nur eine kleine Lageskizze anfertigen.
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