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Heute früh habe ich doch tatsächlich im Morgenprogramm eines Privatsenders eine mir aus meiner Teenagerzeit bekannte Boyband mit einem neuen Song auftreten sehen. Das war irgendwie ein merkwürdiges Erlebnis und ich fühlte mich schlagartig furchtbar alt.
Erinnern Sie sich noch an East 17? Eine Band, die eigentlich nicht als "Boygroup" bezeichnet werden wollte. Eine Formation, die 1992 als proletarischer Gegenentwurf zum damaligen Über-Hype Take That entworfen worden war. Brian Harvey, Tony Mortimer, Terry Coldwell und John Hendy waren weniger brav als viel mehr die Jungs von der Straße, die auch durchaus mal Rap-Passagen in ihren Songs verwendeten.
Hits wie "House Of Love", "Thunder" oder "Stay Another Day" verschafften der Band weltweite Chart-Erfolge. Nach einem Drogenskandal um Leadsänger Brian Harvey 1997 wurde es lange Zeit still um East 17, die zeitweise unter dem Kürzel E-17 weitermachten. 2011 begannen erste Comeback-Versuche und nun scheint das Ursprungs-Trio ohne Brian Harvey wieder durchstarten zu wollen. Das aktuelle Album heißt "Dark Light" und die dazugehörige Single "I Can't Get You Off My Mind". Schauen wir mal, wie sich das so entwickelt.
East 17 stehen ja längst nicht alleine da mit ihrem Versuch etwas aufzuwärmen, was in den 90er Jahren supererfolgreich gelaufen ist. So haben sich auch die Backstreet Boys und New Kids On The Block wieder zusammengefunden und das nicht nur getrennt voneinander, nein, bei den American Music Awards 2010 präsentierte sich die neue "Supergroup" NKOTBSB erstmals gemeinsam, um danach gleich mal ein gemeinsames Album mit den besten Hits beider Gruppen herauszubringen und gemeinsam auf Tour zu gehen. Wie das dann so aussieht, wenn neun deutlich älter gewordene Männer synchron auschoreografiert zu ihren Songs tanzen, kann man sich hier ja zum Beispiel einmal anschauen.
Auch Take That sind natürlich wieder da. Wären Tausende von Mädchenherzen damals wohl genauso gebrochen nach Bekanntgabe der Auflösung der Gruppe, hätten sie damals schon gewusst, dass dies alles im Prinzip leere Phrasen von ausgebrannten Musikern waren, die sich bei leerer werdenden Konten und zunehmend erfolglosen Soloversuchen doch wieder zusammen tun würden?
Manchmal sollte man eben doch auch einfach aufhören, wenn es am schönsten ist. Es gibt durchaus gelungene und gewünschte Reunions, aber die Ära der Boygroups ist nun doch mal vorbei. Sie wirken einfach "ihrer Zeit" entwachsen. Das ist wahrscheinlich wie mit Beziehungen. Ein zweiter Versuch kann einfach nicht mehr heranreichen an das, was einmal gewesen ist. Aufgewärmeter Kaffee eben. Schmeckt nicht und wird vor allem nicht besser mit der Zeit.
Die Reunions erwecken natürlich Erinnerungen an die damalige Jugendzeit und das mag ja alles auch ganz gut und schön sein und einem eine Weile vorgaukeln, dass eben doch nicht alles im Leben vergänglich ist. Und so nehme ich persönlich ein plötzliches Auftauchen einer weiteren "Boygroup" aus den 90er Jahren eher mit einem Augenzwinkern hin. Niedlich. Lustig. Aber auch eigentlich völlig unnötig.
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