Wunderbar, du hast ein Problem!

Schwedt-Labor startet mit Gedankenaustausch und ersten Ideen

Schwedt. Ein wenig provozieren wollen sie schon, die Initiatoren des Schwedt-Labors. Ein Punk-Konzert in einem ehemaligen Schuhgeschäft mitten in der Altstadt sorgte am Sonnabend für den einen oder anderen verschreckten Griff zum Telefonhörer. Am Wochenende war das Motto "Believe in crazy ideas" (Glaube an verrückte Ideen) eben Programm und Teilnehmer eines Workshops konnten ihren Gedanken freien Lauf lassen. Das Thema war allerdings vorgegeben: Das Schwedt-Labor will der Stadt neue Impulse für eine alternative Kulturszene geben, um für die Jugend attraktiver zu werden.


Drei Fragen standen für den Anfang zur Debatte: Was gefällt Dir in Schwedt? Was stört Dich in Schwedt? Stell Dir vor, Du könntest hier etwas verändern, was würdest du tun? Rund 40 Teilnehmer, unter ihnen Jugendliche, Kommunalpolitiker, Bürgermeister Jürgen Polzehl und einfach interessierte Schwedter tauschten sich dazu aus. Dass sich etwas ändern müsse, darin waren sich alle einig.


Vorangegangen waren dem Workshop zahlreiche Gespräche der "Labor-Mitarbeiter" Sally Below, Dimitri Hegemann, Annette Ochs und Andreas Böttcher mit Akteuren aus der Stadt. Matthias Hamm aus London stellte sein Teenhold-Konzept vor: Jugendliche von 18 bis 21 Jahren werden darin automatisch Mit-Eigentümer eines Clubs und entscheiden gemeinschaftlich über Inhalte, Aktionen und auch wirtschaftliche Aspekte: "Sie wählen einen Vorstand und werden an Gewinnen beteiligt, ohne dass ihnen von oben jemand hineinredet."


Freie Räume besetzen

Schwedt sei "eine komische Stadt mit Potenzial", begründete Hamm seinen Einsatz. Zu sagen, dass in Schwedt nichts los sei, wäre zu pauschal. Zu sagen, dass man als Jugendlicher kaum bezahlbare und abwechslungsreiche Ausgehmöglichkeiten findet, träfe den Kern schon eher: "Wunderbar! Du hast ein Problem!" Nun müssten Ideen zur Lösung folgen. Schwedter haben im Vorfeld ein Konzept entwickelt, welches die ehemalige Kaufhalle in der Friedrich-Engels-Straße zum Bürgerhaus und das umliegende Freigelände zum Bürgerpark mit Freibad werden lässt - gut zu erreichen und wenig störend.


"Öffnen wir einen Dada-Club!", fordert Hegemann für den Anfang, einen Raum, wo jeder Jugendliche praktisch machen könne, woran er Spaß hat, wo "Unmögliches" gedacht und gemacht werde. Eine Anlaufstelle als Knotenpunkt für die Vernetzung von Angebot und Nachfrage, als Verbindung zwischen Verwaltung, Sponsoren und Ideengebern fordern dieWorkshop-Teilnehmer, und: "Warum nicht gleich hier?" Bürgermeister Polzehl habe das Schwedt-Labor in der Vierradener Straße mindestens bis zum Sommer zugesagt, so Hegemann. Am Ende des zweiten Workshop-Tages wird ein Papier zusammengestellt, welches genau diese Anlaufstelle zum Ziel hat - regelmäßig besetzt und geöffnet, "unabhängig von der Stadtverwaltung und dauerhaft durchfinanziert".


Genau in den Finanzen sahen die Teilnehmer aber das vordergründige Problem: Die Frage "Wer soll das bezahlen?" stellte allzu oft die Fragen "Was fehlt mir?", "Was wollen wir eigentlich?" und "Was können wir selbst beitragen?" in den Schatten. Zu oft habe man gehört, was alles nicht geht, weil kein Geld da sei. Das größte Problem dürfte jedoch das zögerliche Vertrauen in "die Berliner" und ihre Fähigkeiten sein: "Wir planen ja keine Tresor-Filiale in Schwedt, sondern wollen die Ideen von hier aufgreifen", so Sally Below auf die Kritik, man wolle Berliner Verhältnisse auf die kleine Oderstadt übertragen. Manuela Lenz

Internet: sagjazuschwedt.net