Oderhähne liften die Zeitgeschichte

Meller, Wegner und Richter sind abwärts nach oben unterwegs

Mit den Oderhähnen im Kabarettkeller geht es abwärts, aber nach oben. Lothar Bölck bringt  in seinem Stück, in dem er auch Regie führte, drei Oderhähne in ganz besondere Situationen. Aus der Bühne wird ein Fahrstuhl, wahlweise geht es abwärts oder nach oben, manchmal bleibt das alte Teil stecken oder die Elektrik geht aus. Dann schälen sich aus den Mitfahrern Margit Meller, Madleen Wegner und Ralph Richter skurrile Gestalten, die auf engem Raum das politische Leben im Auf- und Abwärtsgang sehr speziell beleuchten. Mit Klamauk, Musik und Wortwitz gehen sie sowohl den aktuellen Meldungen als auch den manchmal schrägen Alltäglichkeiten auf den Grund.  

Die Spannung des Stücks wächst auch aus der Unterschiedlichkeit der Figuren. Margit Meller als Kabarett-Urgestein gibt die Kanzlerin erfahren trocken inzwischen besser als das Original selbst und bringt das Publikum zum Feiern, wenn sie ihren Herrn Sommer traktiert. Madleen Wegner als die Junghenne darf sich so manchen frechen Kommentar erlauben und bringt eine neue Frische ins Unterhaus. Bei so viel weiblicher Spielfreude kann Ralph Richter nur seinen verschmitztes Männercharme mobilisieren. Mit Vielseitigkeit und feinem Gespür für Zwischentöne spielt und singt er sich mit seinen Mitstreiterinnen durch ein Programm mit vielen Themen. 

Die Welt im Brennglas eines Fahrstuhls - für die schöne Idee fehlt ein wenig die Weltsicht, und doch hat der Zuschauer viel Spaß.Wer die augenzwinkernde Sprachakrobatik von Bölck schätzt, der kann mit den Oderhähnen Geschichten erleben, die ihn fesseln und erheitern. Überforderte Lehrer, hilflose Eltern, elektronische Hirnfessel oder der niedrige Rückkaufwert von Politikern sind den Oderhähnen Anlass, zu begeistern, zu erheitern und zu unterhalten. Musikalisch tun sie das unter der bewährten Leitung von Ulli Schreiner gewohnt lustvoll und sicher.  Ob im Solo oder zu dritt - Wegner, Meller und Richter zeigen in dem Stück, dass auch das musikalische Kabarett im Unterhaus einen festen Platz hat.

Allerdings bleiben die Fragen offen: Wie kommt man nach oben, wenn der Fahrstuhl kaputt ist? Und wo ist dann das Licht am Ende des Tunnels? Lassen Sie sich überraschen. Und passen Sie  beim nächsten Mal gut auf, wer zusteigt. Es könnte turbulent werden, wenn es ein Oderhahn ist. Rita Klemt