Wachsfiguren leben länger

Sommertheaterstück WichsWachsWuchs der Frankfurter Oderhähne

Margit Meller, die Herrin der Raute, darf auch im aktuellen Sommerprogramm nicht fehlen. Foto: Klemt

Wer in Frankfurt einen lauschigen Sommerabend bei kühlem Getränk und in fröhlicher Gesellschaft verbringen will, ist auf dem Hof vom Haus der Künste genau richtig. Noch bis zum 20. August laden die Oderhähne in ihr Sommerprogramm WichsWachsWuchs ein. 

In der liebevoll detailreich erzählten Geschichte geht es um allerlei Wachsfiguren, ihre lebendigen Vorbilder und die Frage, ob die einen von den anderen immer zu unterscheiden sind. Da müssen mitunter die lebendigen Mitarbeiter zur Wachsfigur werden, weil der formbare Stoff nicht mal mehr für eine Heidi-Klum-Parodie reicht. Schließlich ist manches Original ohnehin nur schwer von der Wachskopie zu unterscheiden. 

Im Kabinett von Madame Tusnelda herrscht Finanznot. Diesem Problem begegnet Margit Meller als Chefin mit resolutem Charme. Doch in ihrem Panoptikum treiben sich auch schrullige Gestalten herum. Der stotternde Sohni, der eigentlich Felix heißt, wird von Marco Moewes mit erfrischender Vielseitigkeit gespielt. Lässt er sich notgedrungen zur musikalischen Aussage hinreißen, um sich nicht zu verstottern, belebt er das Stück auf ganz eigene Weise und beherrscht auch die skurril pathetische Note. Als sich Madlen Wegner alias Maria Müller  einschleicht,  um die Befreiung der Wachsfiguren zu erkämpfen, wird schnell klar, dass eher Felix die befreite Figur ist. Die beiden jungen Oderhähne wirbeln durch das Stück und haben die Herzen des Frankfurter Kabarett-Publikums im Nu erobert.  

Im Textbuch von Lothar Bölck finden sich rasante Dialoge, überraschende Pointen und ein Wortwitz, der zu Tränen rührt. Als Pförtner Friedbert hält Bölck selber das Stück und seine Protagonisten zusammen, das Publikum bei Laune und den Flachmann immer gut versteckt vor seiner angebeteten Tusnelda. Auch die Kanzlerinnen-Parodie fehlt nicht, lädt doch das Thema des Stückes geradezu dazu sein. Margit Meller in einer ihrer beständigsten Rollen als Herrin der Raute wird zur singenden Sultanine, sehr zur Erheiterung des Publikums.

Überhaupt sind die Lied-Parodien aus der Feder von Bölck Paradestücke. Unter der Leitung von Uli Schreiner singen sich die Oderhähne durchs Wachsfigurenkabinett und lassen dabei kein Auge trocken. Wer sich beim Wachs-Lied noch wundert, kann sich spätestens beim Petze-Song nicht mehr halten und ist mit der Lach-Mal-Wieder-Show am Ende ein Zuschauer, der sich einen Abend lang richtig amüsiert hat. Rita Klemt