Xavier

Xavier

Da hat der erste große Herbststurm ganz schön was durcheinander gewirbelt. Mit dem Namen fing das schon an. Die Nachrichtensprecher konnten sich nicht recht entscheiden. Deutsch, wie man es bei einem deutschen Sender erwarten dürfte? Englisch, weil man nicht mehr weiß, wie es deutsch eigentlich klingt? Oder Spanisch gar, katalanisch, weil einem so viel im Kopf herumgeht?

Derweilen brachte Xavier den Verkehr zum Stehen, warf Bäume um, deckte Dächer ab und rückte doch einiges gerade dabei. Gewöhnlich misst der Mensch seine Bedeutung ja daran, was er schon alles kann: aus dem Tetrapak trinken und Atombomben bauen, Katzenfotos in Echtzeit um den Erdball jagen und sogar Steuererklärungen ausfüllen. Deshalb fühlt er sich gern allem und jedem überlegen. Doch plötzlich kommt ein Sturm und reißt Leute einfach aus dem Leben.

Menschen, zu Tausenden, stemmen sich gegen die Naturgewalt, schlaflos, selbstlos, Feuerwehrleute und Polizisten, Ärzte und Krankenschwestern und viele andere noch. Die so etwas hinter sich haben, braucht niemand mehr Demut zu lehren. Dank verdienen sie, anständige Ausrüstung und ein gutes Auskommen.

Auch beim Oberbürgermeister hat Xavier einiges durcheinander gebracht. An seinen Namensvetter gerichtet, widerspricht er der Behauptung, Frankfurt sei eine der kaputtesten Städte Brandenburgs. René Wilke hat dergleichen gar nicht gesagt, nur einen Journalisten zitiert. Aber solche Unterschiede bemerkt man wohl, wenn es stürmisch wird, nicht.

Henry-Martin Klemt