Kriegsdenkmal

Kriegsdenkmal

Der Stumpf des Kriegerdenkmals am Carthausplatz ist schon vor einigen Jahren zu einem Sockel temporärer Kunstobjekte avanciert. Eine Idee der freundlich-kreativen Belebung, eine Herausforderung für die beteiligten Künstler allemal, denn sie haben es mit einem Ambiente und einem Kontext zu tun, dem sie sich nicht entziehen können. So gehörte das Denkmal zuerst Rapunzels Geschichte, ahnbar im farbigen Kachelschmuck, dann erschien das, was die Leute fröhlich Frankfurter Bierkasten tauften. Diese Werke brachen gar nicht mit der Idylle oder auf sehr verhaltene Weise.

Nun hat Hannes Forster sich dem ursprünglichen Thema gestellt: Krieg, Krieg im Frieden eigentlich, hat Ziegel aufgeschichtet wie Jahre, oder Jahre wie Ziegel, verheißungsvolle Spirale, wie beim Turmbau zu Babel, bedrohliche Esse, durch die alles hindurchgeht, wenn der Krieg sein Feuer entfacht: Hoffnung, Traum und Wirklichkeit, die sonst geborgen scheinen in der tönernen Feste. Jedes Kriegsjahr ist schwarz verzeichnet auf den Steinen. Nackt sind nur jene, die ohne Gewalt blieben oder deren Gewalt uns nicht nahe kam. Wenige sind es, und ja: So funktioniert die Geschichte. Die meisten Namen, die sich über die Zeiten hielten, schmecken nach Blut.

Es ist ein Wagnis, das der Künstler eingeht mit solcherart Gedächtnisübung und so symbolbeschwerten wie minimalistischen Mitteln. Ein Angebot ist es, das er uns macht: Wir könnten, bei hinreichend redlichem Bemühen, vielleicht doch noch lernen aus der eigenen Geschichte.

Henry-Martin Klemt