Vier Opfer

Vier Opfer

Es herrscht Trauer im Land. Zwei brandenburgische Polizisten sind buchstäblich aus dem Leben und aus ihren Familien gerissen worden. Ein junger Mann hat sie auf seiner Flucht erbarmungslos überfahren, nachdem er zuvor bereits seine 79 Jahre alte Großmutter ermordet hatte. Dem blanken Entsetzen folgt die Trauer, aber mit der Trauer kommen auch die bohrenden Fragen. Könnten diese Menschen noch leben?

Der 24-jährige war psychisch schwer krank. Er litt an Schizophrenie. Schon Ende vergangenen Jahres hätte er in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden sollen. Die Liste der von ihm begangenen Verfehlungen lässt manchen sich die Augen reiben: Raub, Diebstahl, Bedrohung, Körperverletzung... Die Urteile brandenburgischer Gerichte: Bewährung, eine kurze Haftstrafe, Freilassung.

Der junge Mann hält sich an keine Regeln, nimmt Drogen, trinkt Alkohol, fährt ohne Führerschein Auto. Für die Justiz kein Grund zum Einschreiten. Jetzt sind drei Menschen tot. Aber es gibt ein viertes Opfer: den Täter selbst. Seine vermeintliche Freiheit war die Gefangenschaft in seiner Schizophrenie. In ihr brachte er andere und sich selbst in Gefahr. Statt ihm zu helfen, ihm Grenzen zu zeigen oder Grenzen zu ziehen, vertraute man darauf, dass alles schon irgendwie gut gehen wird. Ab und zu ein energisches Dudu!

Aber nichts ist gut. Drei Menschen sind tot. Freiheit ist ein hoher Wert. Aber toten Menschen nützt sie nichts. Den Verwandten und Freunden ist sie kein Trost. Die Justiz hat versagt.

Henry-Martin Klemt