Rückzug

Natürlich kann man nur raten. Aber dass die reine Vernunft der Landesregierung die Feder führte, als sie zum geordneten Rückzug aus ihrer unseligen Kreisgebietsreform, diesem Gestochere im verwaltungs- und haushaltspolitischen Wirrwar nach Art des Hauses, trommelte, dass es plötzlich über die Woidkes und Schröters gekommene Einsicht gewesen sei, die Anker des Landes nicht aus dem sandigen Grund zu reißen, das mag so recht wohl kaum einer glauben.

Eher dürfte die Erwartung einer schallenden Ohrfeige durch das laufende Volksbegehren ihren Beitrag geleistet haben. Wäre es erfolgreich, folgte ein Volksentscheid auf dem Fuße. Eine deutlichere Quittung für vermasselte Politik ein Jahr vor den Landtagswahlen ist wohl kaum vorstellbar. Den letzten Hieb aber hat dem Woidke-Team nach Neuwahlandrohung und Pressur bei den eigenen Abgeordneten wohl der SPD-Ehrenvorsitzende Manfred Stolpe versetzt.

Die eigene Erfahrung, wie man ein strategisches Projekt von der Dimension einer Länderfusion mit Getöse an die Wand fährt, hat wohl den heute 81-Jährigen vorsichtig gemacht. So riet er seinen Erben zu mehr Umsicht. Ein teures, unbedachtes, nichtsnutziges Vorhaben ist vom Tisch.

Von den strukturellen Problemen des Landes Brandenburg ist damit aber nicht eines gelöst. Das sollten nun aber wirklich andere versuchen. Auch wenn Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke die respektvolle Geste hoch anzurechnen ist, mit der er die Erhaltung der Kreisfreiheit für Frankfurt, Cottbus und Brandenburg quittierte.

Henry-Martin Klemt