Klasse Klassen

oderblick Klasse Klassen Manchmal wird es unruhig im Hörsaal 8 des Dönhoff-Gebäudes. Auch wenn Jacek Faldyna mit dem Saxophon jazzige Denkpausen schafft. Das Handy lockt, der Schwatz mit dem Nachbarn, jemandem springt ein Kommentar von der Zunge. 75 Minuten Konzentration sind eine lange Zeit für die Siebtklässler. Doch die Akteure auf der Bühne werden mit Jubel begrüßt.

Es ist die Abschlussveranstaltung des Projekts Klasse Bücher. Die Initiatoren Carmen Winter und Frank Sommer sitzen mit im Saal, lauschen. Lauschen zehn Jahre zurück. So lange halten sie diese besondere Art der Leseförderung bereits am Leben - gemeinsam mit der Stadt, den beteiligten Schulen und ihren Lehrern sowie den Spendern, die bei der Finanzierung der Bücher helfen.

Das Projekt folgt keinem Kanon, wie es Pflichtlektüre tut. Die Schüler sind es, die sich lesend ihren Kanon schaffen. Dabei geht es nicht nur um die Lektüre, sondern auch den Austausch darüber, den Konsens, was gut ist und was schlecht, was spannend und was fade, was etwas sagt, das sie angeht, oder vorbeiredet an ihnen. Wenn eine Klasse sich einig ist, soll die Begeisterung den Gleichaltrigen vermittelt werden: mit ausgewählten Passagen, einer Einführung, manchmal auch phantasievollen theatralischen Mitteln. Am Ende offenbart sich ein sicherer Griff in die Reihe der topaktuellen Jugendbücher. Er bezeugt Neugier auf die Welt, den Wunsch, das Leben, seine Konflikte und sich selbst zu verstehen.

Als ich den Saal am Ende verlasse, denke voller Respekt: Klasse Klassen!

Henry-Martin Klemt