Gekommen, um zu bleiben

Kabarett-Lehrlinge rocken das Unterhaus

Sie haben alle drei schon mit den altgedienten Oderhähnen auf der Bühne gestanden, haben Unterhausluft und Sommertheaterduft geschnuppert, den Erfahrenen über die Schulter geschaut und ihren eigenen Anspruch gefunden. Nun stehen sie zu dritt das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Unter den geduldigen Fittichen von Kabarettchef Wolfgang Flieder sind Lisa Brinckmann, Madlen Wegner und Marco Moewes nicht nur zu stolzen Super-Küken herangewachsen, sondern zu einem energiegeladenen Schauspiel-Trio, das im Frankfurter Unterhaus für Furore sorgt. Bei der Entstehung des Stückes mit Texten unter anderem von Hartmut Guy, wirkten sie mit eigenen Beiträgen mit, haben sie gemeinsam den politischen Alltag kritisch unter die Lupe genommen.

Herausgekommen ist ein wunderbar unterhaltsames Stück, vielseitig und jung. Unter dem Titel „Friede-Freude-Eierphone“ geben die drei Kabarett-Lehrlinge nicht nur der jüngeren Generation einen Abend lang Starthilfe beim Lachen und Denken. Dass dies auch musikalisch und tänzerisch bestens gelingt, ist Musikus Ulli Schreiner zu verdanken, der das engagierte Trio vom Schuld-Tango bis zum Scheiß-Rap begleitet und auch eigene Liedtexte beigesteuert hat. Ob die geplatzte Jamaika-Heirat auf die Schippe genommen oder neue Köpfe für die Regierung gefunden werden - die Merkel-Generation gilt zwar als beziehungsunfähig, ist aber politisch sensibel. Doch wohin geht es mit dem Land, wenn Dieter Bohlen den Kanzler castet, Uli Hoeneß das Finanzministerium übernimmt und Otto Waalkes Verteidigungsminister wird? Eine Antwort haben die drei neuen Unterhäusler nicht parat. 

Um Antworten geht es auch gar nicht an diesem unterhaltsamen Kabarett-Abend. Brinckmann, Wegner und Moewes sehen genau hin. Sie spielen rasant, hintergründig und absolut professionell mit den Forderungen und Träumen einer neuen Generation, die  sich den Absurditäten des Alltags stellt und trotzdem ihre Hoffnungen nicht aus den Augen verliert. Ob ein politisch nicht ganz korrekter Haushaltswarenladen im Kanzleramt, ein wunderbar schräger Mandy-Song, ein feuchter aber fröhlicher Truppenbesuch der Verteidigungsministerin oder die geniale furiose Szene der Hubschraubereltern  - Brinckmann, Wegner und Moewes erweisen sich als würdige Nachfolger der Oderhähne und haben den Applaus für ihr Gesellenstück mehr als verdient. 

Alle drei  haben Lust aufs Kabarett und lassen teilhaben an einer Entwicklung, die spannender nicht sein kann. Denn der Generationswechsel auf der beliebten Frankfurter Bühne vollzieht sich langsam, unter den wachsamen Augen des Publikums. Dass es keine Sorge um die kabarettistische Zukunft des Unterhauses haben muss, betonen die drei in ihrem großartigen Abschlusssong: Gekommen, um zu bleiben. Und das ist auch gut so.

Rita Klemt